Endlich hat Google das Geheimnis gelüftet: Der Suchmaschinenanbieter hat den Quell-Code für seinen neues Betriebssystem »Chrome OS« vorgestellt. Auf den ersten Blick scheint es bestechend: Ein schlankes Betriebssystem, das schnell startet und sich wohltuend von einem Fat-Client-Betriebssystem abhebt. Dies wird möglich, weil alle Applikationen auf Servern im Internet in einer so genannten Cloud laufen. Damit positioniert sich Chrome-OS als alternatives Konzept zu dem allgegenwärtigen Client-Betriebssystem Windows. Mit Windows 7 hat Microsoft hier allerdings wieder eine interessante Version hingelegt. Doch nicht alle lieben Microsoft. Da scheint Chrome-OS doch ein hoffnungsvoller Schimmer zu sein. Bei genauerem Blick kommen Unternehmen bei einem solchen Wechsel aber vom Regen in die Traufe: Sie tauschen ihre Abhängigkeit von Microsoft gegen die von Google ein. Und diese ist bedeutend gravierender als die von Microsoft.
Die Chrome-OS-Applikationen laufen auf Servern im Internet, die Google betreibt. Laufen diese nicht, geht auch nichts auf dem Client. Ändert Google seine Bedingungen, kann das Unternehmen nicht einfach zu jemand anderem wechseln. Geht es um die Weiterentwicklung der Applikationen hängt alles vom Suchmaschinenanbieter ab. Damit vertauscht ein Unternehmer nur seine Abhängigkeit von Microsoft gegen die von Google.
Allerdings kommt noch ein ganz anderes Problem hinzu: Der Datenschutz. Schließlich gelangen alle Daten, mit denen ein Chrome-OS-Anwender arbeitet, auch auf Googles Server. Zum einen ist Google für ihre Sammelwut an allen möglichen Daten bekannt, die es für ihre Zwecke ausschlachtet. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat sich sehr kritisch zu dem Einsatz von Google-Applikationen geäußert. Bisher konnte Google auch nicht das Vertrauen herstellen, dass bei ihr Daten wirklich gut aufgehoben sind. Ein Wechsel von Windows zu Chrome-OS würde also mehr Schwierigkeiten bringen.
In einem nüchternen Licht betrachtet, ist Chrome-OS auch nicht wirklich etwas Neues. Denn es handelt sich, um nichts anderes als um ein Thin-Client-Konzept, wie es sie schon länger gibt. Einziger Unterschied: Chrome-OS kostet nichts, und die Applikationen sind weltweit über das Internet verfügbar. Über eine Virtual-Desktop-Infrastructure lassen sich zudem über Thin-Clients auch ganze Desktops bereitstellen. Außerdem gibt es erste Möglichkeiten virtuelle Desktops auch offline auf mobilen Clients zu nutzen. Ein Thin-Client-Ansatz mit virtuellen Applikationen und Desktops erscheint mir ein besserer Ansatz für Unternehmen zu sein, als auf Googles Chrome-OS zu schielen.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen,
Ihr Werner Veith
Quelle: http://www.networkcomputing.de
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