Problem: Mitarbeiter nutzen ihre eigene IT am Arbeitsplatz

27 07 2010
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IT-Abteilungen stehen vor einem neuen und gravierenden Problem: Immer mehr Mitarbeiter setzen am Arbeitsplatz ihre eigenen IT-Geräte ein, inklusive eigener Anwendungen. Das bringt Probleme mit sich, etwa in puncto Sicherheit, kann jedoch auch die Produktivität der Mitarbeiter steigern.

In den guten alten Zeiten galt: Es werden im Unternehmen nur IT-Systeme und Anwendungen eingesetzt, die zuvor die IT-Abteilung freigegeben hatte. In vielen Großunternehmen wurden Mitarbeiter, die gegen diese Vorgabe verstießen, sogar mit Abmahnung oder gar Entlassung »bedroht«.


Viele Firmen dulden den Einsatz privater IT-Systeme durch ihre Mitarbeiter, lassen diese jedoch in Sachen IT-Support alleine.

Der Vorteil einer solchen strikten Politik: Die IT-Abteilung hat alle Systeme und Applikationen im Blick, die im Corporate Network vorhanden sind. Es gibt keine Probleme mit ungepatchten Geräten oder einem Anwendungs-Wildwuchs – zumindest in der Theorie.

Die Nachteile: Das Unternehmen muss seine Mitarbeiter mit (mobilen) Geräten und den dazu passenden Anwendungen ausstatten. Zudem leiden die Produktivität und Zufriedenheit der Kollegen, wenn ihnen bestimmte Systeme »verordnet« werden.

Realität: Eigene Geräte auf dem Vormarsch

Nach einer Untersuchung von Unisys [1] sind jedoch offenbar viele Firmen auf dem besten Weg, sich vom zentralistischen IT-Modell zu verabschieden. Das allerdings eher unfreiwillig.

Laut Unisys ist die Nutzung von eigenen modernen Endgeräten am Arbeitsplatz weit verbreitet: 95 Prozent der »iWorker«, die Großbritannien, Deutschland, Belgien und den Niederlanden befragt wurden, gaben an, dass sie mindestens ein Endgerät geschäftlich nutzen, das sie selbst angeschafft haben.

Den Arbeitgebern und IT-Abteilungen ist jedoch offenbar nicht klar, in welchem Ausmaß Mitarbeiter die IT-Infrastruktur mit eigenen Geräten »unterwandert« haben. Ein Beispiel ist das Blackberry: In Deutschland nutzen 31 Prozent der befragten iWorker solche Smartphones. Nur 14 Prozent der befragten Arbeitgeber glauben jedoch, dass dies auch für geschäftliche Zwecke getan wird.

In den Niederlanden setzen 27 Prozent der Befragten private Smartphones geschäftlich ein, 18 Prozent Netbooks und Tablet-PCs. Doch nur 9 beziehungsweise 4 Prozent der IT-Leiter und Geschäftsführer wissen dies.

Privates und Geschäft vermischen sich

Laut IDC, welche die Studie im Auftrag von Unisys durchführte, wird die Hälfte aller Consumer-Geräte sowohl für Geschäfts- als auch private Zwecke genutzt. Unternehmensinformationen werden daher mit den persönlichen Daten der Nutzer gemischt.


Die private und geschäftliche Nutzung von Handys und IT-Geräten vermischt sich.

»Die Studie zeigt deutlich, dass die ‚Konsumerisierung‘ der IT am Arbeitsplatz wesentlich schneller an Dynamik gewinnt, als die meisten erwartet haben«, so Eddie Wakelam, Vice President Application Modernization und Outsourcing Services bei Unisys. »Unternehmen können es sich nicht erlauben, diesen Trend zu ignorieren. Und mit strikten Vorschriften dagegen anzugehen, wird nicht ausreichen.«

Stattdessen sollten Unternehmen sicherstellen, dass Arbeitnehmer Zugriff auf die Daten bekommen, die sie brauchen, ohne dabei ein Sicherheitsrisiko eingehen zu müssen. Und genau hier liege vieles im Argen.

Support von Privat-IT ist mangelhaft

Trotz der großen Offenheit für die geschäftliche Nutzung von Consumer-Endgeräten und -Anwendungen deckte die Studie erhebliche Lücken bei der Fähigkeit von Unternehmen auf, Anwender bei Sicherheitsfragen ausreichend zu unterstützen. iWorker bewerteten ihre Unternehmen beim Support von Consumer-Technologien schlecht, IT-Leiter nur geringfügig besser.

Auf einer Skala, die von 1 (niedrigste Punktzahl) bis 5 (höchste Zahl) reichte, gaben die Angestellten in Deutschland ihrer Firma und dem IT-Support eine glatte 1,7, sprich eine schlechte Bewertung. Selbst die IT-Leiter räumten ein, dass technische Unterstützung für geschäftlich genutzte private Geräte ein Problem darstellt. Sie vergaben 2 Punkte – ebenfalls ein »miserabel«.

Karl Anzböck, Vice President und General Manager Central Europe von Unisys, zu diesen ernüchternden Resultaten: »Die Konsumerisierung des IT Arbeitsplatzes in den Unternehmen wird heute nicht vom Management vorangetrieben. Vielmehr sind es die Arbeitnehmer, die technische Innovationen Zuhause privat nutzen und diese auch beruflich nutzen möchten, um dadurch effizienter arbeiten zu können.«

Diese positive innovative Energie der Mitarbeiter werde noch viel zu wenig in den Unternehmungen genutzt.

Einige Firmen bieten Vergütungen

Immerhin fördern etliche Firmen neue Modelle für den Einkauf von IT: 40 Prozent der deutschen IT-Leiter gaben an, Rabatte und Vergütungen zu bieten, wenn Mitarbeiter eigene IT für den Arbeitsplatz anschaffen. Und 43 Prozent der deutschen IT-Leiter erstatten Mitarbeitern ihre Einkäufe und vergüten zudem unternehmensbezogene Nutzungskosten.

Doch auch diese Zahlen zeigen: Weniger als die Hälfte der Unternehmen unterstützt ihre Mitarbeiter dabei, eine für sie optimale Arbeitsumgebung zu schaffen. Die Regel ist: »Wir zahlen nichts«, nach dem Motto: Soll der Mitarbeiter doch selber sehen, wie er zu einem gut ausgestatteten IT-Arbeitsplatz kommt – eine im wahrsten Sinne des Wortes billige Haltung.

Quelle: networkcomputing.de

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